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Exponate

Wir möchten Ihnen auf dieser Seite ausgewählte Exponate unserer Sammlung vorstellen und einige historische Informationen zu den erwähnten Ausstellungsstücken erwähnen.

Sammlungen spiegeln stets den aktuellen und vergangenen Zeitgeist wider und müssen somit in einem Medizin-historischen Zusammenhang Erwähnung finden. Sie zeigen Ansichten, Ideen, Interessen und Neigungen derjenigen, die für diese verantwortlich waren und sind. Gerade dies ist bei der Beurteilung und dem korrekten Verständnis einer Sammlung und seiner Exponate von entscheidender Bedeutung.

 

Wachsmoulagen

In unserer Sammlung sind auch einige Wachsmoulagen erhalten geblieben. Dabei handelt es sich um kolorierte Wachsabformungen von anatomischen Präparaten oder erkrankter Körperteilen (Zwerchfell, Abszess im Gesicht, Verbrennungen der oberen Extremität). Sie waren vor allem in der Zeit vor Erfindung der Farbfotographie in der Lehre und Ausbildung unverzichtbar. Insbesondere in der Dermatologie (Lehre nicht infektiöser und infektiöser Erkrankungen der Haut) und Venerologie (Lehre von den sexuell übertragbaren Erkrankungen) waren solche Moulagen für Lehrzwecke und Krankheitsdokumentation unverzichtbar. Dazu wurden Gips- oder Silikonabdrücke genommen und mit einem Wachs- oder Wachs-Harz-Gemisch ausgegossen. Diese Negative wurden nach dem Aushärten aus der Abdruckform entnommen und direkt beim Patienten entsprechend seines Krankheitsbildes bemalt. Auf diese Weise sind bis heute Moulagen von diesen erhalten, die bildlich einem Originalbefund fast gleichkommen.

Phrenologie

Bei dieser pseudowissenschaftlichen Lehre wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts versucht, geistige Eigenschaften und Zustände definierten, klar abgrenzbaren Hirnarealen zuzuordnen. Dabei wurde ein Zusammenhang zwischen Schädelmorphologie und Gehirnform unterstellt – so soll der Zahlensinn etwa in Nachbarschaft zur Augenbraue liegen.

Hier muss der Wiener Arzt Franz Joseph Gall (* 09. März 1758, † 22. August 1828) Erwähnung finden, der behauptete, aufgrund der Kopfform „das Wesen eines Menschen“ ablesen zu können. In illustren Kreisen auf Tourneereisen durch halb Europa nach Preußen, in die Schweiz, der Niederlande und Frankreich fand die topologisch ausgerichtete Charakterlehre ihre Bewunderer und strömten die Menschen zu den Demonstrationen. Die Hauptverbreitungszeit der Lehre liegt in den Jahren bis 1860, in der dann auch Abgusspräparate der Theorien den Weg zu uns nach Rostock fanden.

Sprengschädel

Beispiellos ist auch ein Sprengschädel, bei welchem die vielen einzelnen Knochen des Neuro- und Viszerokraniums isoliert voneinander montiert wurden und somit den komplexen Aufbau des verdeutlichen. Der menschliche Schädel besteht aus einer Vielzahl von einzelnen Knochen, die erst im Laufe der ersten Lebensdekaden miteinander fest verwachsen und verknöchern (Syndesmosen, Synostosen). Bevor dieser dauerhafte Verschluss erfolgt (etwa um das 24.-26. Lebensjahr) kann man die Verbindungen zwischen den Einzelknochen lösen, indem man ein quellfähiges Material (z.B. Erbsen) über das große Hinterhauptsloch in den mazerierten Schädel einbringt und dieses vorsichtig aufquellt. So lösen sich die Verbindungen und man erhält die isolierten Schädelknochen.

Leonardo da Vinci: Atlas der anatomischen Studien

Der Universalgelehrte Leonardo da Vinci (eigentlich Lionardo di ser Piero, *15.04.1452, † 02.05.1519) war Maler, Bildhauer, Architekt, Astronom, Ingenieur und Anatom der frühen Stunde. In seinem Atlas der anatomischen Studien illustrierte er den menschlichen Körper so genau und kunstvoll, wie niemals jemand vor ihm. Die Originalabbildungen werden im Windsor Castle aufbewahrt. Da Vinci soll zu Lebzeiten mehr als 30 Leichen seziert haben. Diese Studien halfen ihm in der Malerei, den menschlichen Körper mit seinen Proportionen, seinen sichtbaren Muskeln und seinen anderen anatomischen Details korrekt wiederzugeben (man denke nur an die Abbildung des vitruvianischer Menschen auf den italienischen 1 Euromünzen). Als Naturwissenschaftler interessierte er sich aber besonders für das Innere des Menschen und entdeckte dabei u. a. die Verkalkung von Gefäßen bei alten Menschen. Besonders faszinierte ihn die Embryologie, er fertigte – wahrscheinlich als erster Mensch überhaupt – Zeichnungen eines Kindes im Mutterleib an. Der Prisma Verlag schuf 1978 mit Genehmigung ihrer Majestät Queen Elizabeth II 300 streng limitierte und handnummerierte Exemplare dieser 3-bändigen Ausgabe. Dabei handelt es sich um eine Faksimile-Druck, also eine originalgetreue Kopie, auch um den unermessbaren historischen Wert der Originale für die Nachwelt zu bewahren.

Metallausguss der Markräume

Die Markräume der 31 Knochen der unteren Extremität eines fünfundzwanzigjährigen (Größenwachstum beendet) und eines zweiundachtzigjährigen Mannes (fortgeschrittene Osteoporose). Entstanden im Rahmen der Promotionsarbeit von Hans Friedrich im Jahr 1887/1888.