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Anatomische Sammlung

Ort der Erkenntnis

Anatomia clavis et clavus medicinae“ - Die Anatomie ist Schlüssel und Steuerruder in der Medizin.

 

An einem der schönsten Baudenkmäler der Gründerzeit unserer Hansestadt Rostock, in der Gertrudenstraße 9, erstrahlt bereits von weitem der leuchtend rote Backstein und die hellen Terrakottaputzflächen des Instituts für Anatomie und Physiologie der Universitätsmedizin Rostock. Erbaut in den Jahren zwischen 1876-1878 im Stil der Neorenaissance (Mecklenburger „Johann-Albrecht-Stil“) vom Landesbaumeister CARL LUCKOW (* 12.03.1828, † 15.05.1885), finanziert durch Reparationsleistungen aus dem Deutsch-französischen Krieg 1870/1871, wurde das Bauwerk in den Jahren zwischen 2005-2007 aufwendig saniert, restauriert und erstrahlt aktuell in seinem ganzen Glanz. 

Die anatomische Sammlung Rostock fungiert in erster Linie als Ort der Erkenntnis, um den Besuchern einen kulturellen, medizinhistorischen, aber auch wissenschaftlichen Nährwert zu eröffnen. Wir können stolz sein auf unsere historisch gewachsene (Naturalien)Sammlung und deren Bestände, die in einer entscheidenden Phase der Wissenschaftsentwicklung ihren Ursprung nahm und somit Ausdruck der stetigen Veränderungen im Bereich der universitären Lehre und des Lebens im Ostseeraum repräsentiert.

Die Exponate bringen die Schönheit und Faszination für die Ästhetik unseres Körpers zum Vorschein. Bewusst verzichtet die Sammlung auf spektakuläre Ganzkörperpräsentationen eines Gunther von Hagens und seiner erfolgreichen populärwissenschaftliche Ausstellung „Körperwelten“ oder der anatomischen Ausstellung „Echte Körper“ – Von den Toten lernen“ (Medicare Exhibition Ltd.). Vielmehr wird sich auch auf die verschiedenen Epochen der Präparationskunst und wechselnden präparatorischen Techniken konzentriert, um den Besuchern erweiterte Einsichten und Möglichkeiten aufzuzeigen.  Ein besonderes Anliegen ist die medizinische Aufklärung und bewusste sowie gelebte Gesundheitsförderung der breiten interessierten Bevölkerung, indem die Wissensinhalte, die in den Objekten verborgen sind, dem Besucher didaktisch zugänglich gemacht werden. Gerade mit Hinblick auf den demografischen Wandel in unserem Land und den Bestrebungen der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns sich zum Gesundheitsland Nr. 1 zu entwickeln, fungiert auch unser Institut als Partner von Life-Science-Technologien und den Wellness-Einrichtungen der 61 Heil- und stattlich anerkannter Luftkurorte MVs.

Als Begründer unserer Sammlung gilt KARL FRIEDRICH QUITTENBAUM (* 10.11.1793 in Ocker (bei Goslar), † 14.08.1852 in Rostock). Er fertigte 158 menschliche Präparate an. In seiner Amtszeit stieg auch die Anzahl der für praktische Sektionsübungen zur Verfügung stehender Verstorbener. Ihm wurde allerdings nachgesagt, dass er  einen Vertrag mit  dem Gefängnisdirektor in Bützow geschlossen hatte,  so dass die Körper  der  hingerichteten und verstorbenen Gefängnisinsassen nach Rostock überführt  werden sollten. In dieser Zeit kam es vermehrt  zu Gefängnisausbrüchen in Bützow, da die Insassen vermuteten,  dass ihnen zu Lebzeiten schon Unheil  geschehe.  

Angelehnt an die anatomischen Teilgebiete unseres Faches, gliedert sich auch die Rostocker Sammlung systematisch in verschiedene Aspekte der menschlichen Organsysteme:

I.) Präparate zur Anatomie des passiven Bewegungs- und Stützapparates (Knochen und Skelette - Osteologie, Bänder und Gelenke - Arthrologie),

II.) Sammlungsbestände des aktiven Bewegungsapparates (Muskellehre - Myologie, Extremitätenquerschnitte, Muskel-Sehnen-Knochenansätze), 

III.) Ausstellungsstücke zu den Eingeweiden und den Organsystemen, Herz-Kreislauf-System (Systema cardiovasculare), Urogenitalsystem, Respiratorisches System, Verdauungssystem, zentrales und peripheres Nervensystem (Systema nervosum periphericum/Neuroanatomie i.w.S.)

IV.) Ausstellungsobjekte zur Embryologie und der fetalen Entwicklung der Organsysteme

V.) Medizingeschichtlich wichtige Wachsmodelle (s.u.)

VI.) Zootomie – vergleichende Anatomie

VII.) Anthropologische Ausstellungsstücke – Medizinhistorie im Wandel der Zeiten 

Literatur

Roloff, Eckart; Henke-Wendt, Karin: "Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker: Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie", Verlag S. Hirzel, Stuttgart 2015, Band 1, 266 Seiten

Schumacher, Gert-Horst; Wischhusen, Heinzgünther; Wegner, Richard N.: „Anatomia Rostochiensis : Die Geschichte der Anatomie an der 550 Jahre alten Universität Rostock“, Berlin : Akademie-Verlag, 1970, 322 Seiten